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Begriffsklärung Tierkreiszeichen – Tierkreissternbild
![]() Cosmographia. Antwerpen, 1539 – mit Umrechnungen verschiedener KreiszeichenbemessungenZwölf der insgesamt 88 astronomischen Sternbilder tragen die gleichen Namen wie die zwölf Zeichen des Tierkreises. Hieraus ergibt sich leicht ein Irrtum. Die Tierkreiszeichen sind nach Ekliptiksternbildern benannt, sind aber in der westlichen Astrologie an die astronomischen Jahreszeiten gebunden. Diese Art der Astrologie bezeichnet man als tropische Astrologie, bei der die Himmelskörper des Sonnensystems in Bezug zum Äquinoktium gedeutet werden. Der tropische Tierkreis beginnt beim Widderpunkt (first point of aries), der dem Beginn des Tierkreiszeichens Widder entspricht und zur Entstehungszeit des Systems sich im tatsächlichen Sternbild Widder befand. Es muss für die astrologischen Betrachtungen genau zwischen Sternbildern und Tierkreiszeichen unterschieden werden. Die Sternbilder sind Gebilde von Fixsterngruppen, die sich, wenn auch sehr langsam, gegen den als feststehend definierten Tierkreis verschieben (oder auch umgekehrt). Außerdem verläuft die Ekliptik (die scheinbare Sonnenbahn) im Zodiak noch durch ein dreizehntes Sternbild, den Schlangenträger. Die dreizehn Ekliptiksternbilder umfassen unterschiedlich große Sektoren auf der Ekliptik. Die Sektoren der zwölf Tierkreiszeichen hingegen sind alle (per Definition) exakt 30 Grad groß. Präzessionsdefekt Aufgrund der Präzession der Erdachse verschieben sich Sternbild und tropisches Tierkreiszeichen im Zyklus der Präzession (Platonsjahr) langsam gegeneinander, so dass die Sonne heute im vorhergehenden Sternbild steht, z. B. während des Tierkreiszeichens Jungfrau im Sternbild Löwe.
Somit verschieben sich die Sternbilder auch relativ zum Frühlingspunkt. Heutzutage befindet er sich noch bei den Fischen und ist seit Mitte des vorigen Jahrhunderts dabei, in den Wassermann überzugehen, wo er etwa 2000 Jahre bleiben wird. Dies bedeutet es, wenn man vom Zeitalter des Wassermannes spricht. Zur Zeit der Namensgebung, also vor gut 2000 Jahren, stand die Sonne, während sie sich in einem Tierkreiszeichen befand, auch die meiste Zeit im gleichnamigen Sternbild; das Sternbild stand also während dieser Zeit am Tageshimmel und war nicht sichtbar. Dass die Sonne sich zu einer bestimmten Jahreszeit darin befand, wurde also von den damaligen Astronomen indirekt erschlossen. In der indischen Astrologie sind die Tierkreiszeichen dagegen an die Sternbilder gebunden und wandern mit ihnen allmählich durch die Jahreszeiten. Diese Art der Astrologie bezeichnet man als siderische Astrologie. Alter der Tierkreiszeichen Synagoge in Beit Alpha, Israel, Mosaik, 6. Jh. – Die Tierkreiszeichen um den SonnenwagenDas vermutliche Alter der Tierkreiszeichen wird aus dem Präzessionsdefekt abgeleitet. Da aber die Länge des Platonsjahres mit 25.700–25.800 Jahren angegeben wird, weil sich aus der Drift des Himmelspols nicht viel genauer ermitteln lässt, ist es nur ein ungefährer Zeitpunkt, zu dem der Widderpunkt exakt beim Sternbild auf dessen Anfang gelegen hat. Darum ist auch kein präziser Zeitpunkt des Wechsels von Fischen auf Widder eruierbar. Weiters weiß man nicht, ob auch damals der Widder tatsächlich dieselben Grenzen hatte wie das heutige Bild, wann die Namensgebung also tatsächlich stattgefunden hat. Daher können die astronomisch ermittelten Altersangaben der Tierkreiszeichen nur als grobe Schätzung angesehen werden. Das ursprüngliche Konzept – aber unter anderen Namen und daher ungeklärter Zuordnung – geht mutmaßlich auf die Akkader (ca. 2340–2200 v. Chr) zurück, archäologische Funde belegen ihre Verwendung in der babylonisch/sumerischen Astronomie, wie auch im antiken Griechenland und im alten Ägypten (Tierkreis von Dendera, wohl nicht älter als 51 v. Chr.). Chinesische Tierzeichen Die Erdzweige („chinesische Tierzeichen“) haben – obschon vermutlich auch auf mesopotamischer Tradition beruhend[2] – nichts mit dem Sternenhimmel zu tun, sondern sind ein Nummerierungsystem des chinesischen Kalenders, der als astronomischer Kalender auf die tatsächliche Sonnenbahn bezogen ist. Die Chinesische Astrologie beruht hauptsächlich auf den Acht Zeichen des Geburtstermins, zu dem die Erdzweige nur einen Teil beitragen. Im Westen versteht man unter dem „chinesischen Sternzeichen“ meist den Erdzweig des Jahres, der jährlich zum chinesischen Neujahrsfest wechselt. Bedeutung der Tierkreiszeichen ![]() Die Sternbilder sind eine menschliche Projektion auf dem dunklen Hintergrund des Alls. Sie wurden konstruiert, indem man die hellen Punkte der einzelnen Sterne durch gedachte Linien verband, obwohl sie weit von einander entfernt sind und astronomisch gesehen nichts miteinander zu tun haben. Der Mensch gab der Fülle von Lichtern am Himmel durch die Zusammenfassung zu Gruppen eine Struktur, was den Erscheinungen des Himmels einen identifizierbaren Charakter gab, siehe Mythologie, und zur Orientierung bei der Seefahrt diente. Eine Erklärung für die Charakterisierungen der Tierkreiszeichen ist, dass sie aus den mythologischen Gestalten der Sternbilder entstanden sind und dass sie per Analogiedenken mit vertrauten Phänomenen in Verbindung gebracht wurden. Es gibt aber auch die gegenteilige Meinung, dass die Gestalten der Sternbilder so gewählt wurden, um die bekannte Charakterisierung des jeweiligen Himmelsabschnittes auf diesem festzuhalten. Die oft sehr konstruierte Art der dazugehörigen Sternbilder zum Sternzeichen und die Auswahl der Symbole, die im Gegensatz zu den anderen Sternbildern keine oder nur schwache einzelne mythologische Bezüge haben (z. B: Pices/Fische), stützt diese Theorie. Auch der Hinweis auf die mögliche Verbindung zu Herakles zwölf Heldentaten mit den Sternbildern verstärkt nur den Eindruck, dass es sich um eine gezielte Zwölfteilung der Ekliptik zu dieser Zeit gehandelt hat. Tierkreiszeichen und Horoskop Tierkreis bildet die Grundlage für das abendländische Horoskop. Er setzt sich aus zwölf Segmenten zusammen, von denen jedes einem Tierkreiszeichen unterstellt ist. Die Sonne wechselt nicht um Mitternacht von einem Tierkreiszeichen in das nächste. Der genaue Zeitpunkt des Übergangs variiert von Jahr zu Jahr, weil das Sonnenjahr nicht genau 365 Tage lang ist, und kann daher nicht allgemein in Kalendertagen angegeben werden. Astrologen berechnen den Übergang daher genau, in Tierkreiszeichen-Büchern und Zeitungshoroskopen ist dennoch die Angabe von Kalendertagen üblich. Die Ekliptik schneidet den Kreis Widderpunkt–Himmelsnordpol–Waagepunkt–Himmelssüdpol als Breitengrad, daher findet auch in einem Horoskop die Teilung in ein Oben und Unten statt, mit Norden als Oben. Tierkreiszeichen einer Person Wenn man von dem Tierkreiszeichen einer Person spricht, meint man im Normalfall dasjenige, in dem die Sonne zum Zeitpunkt ihrer Geburt stand (Geburtszeichen), seltener den Aszendent. In einer starken Verkürzung der ursprünglichen Charakterisierungen bezeichnet man heute im Widder Geborene als Tatmenschen, draufgängerisch, sportlich, aufbrausend etc., die im Stier Geborenen als sesshaft, behäbig, auf Sicherheit bedacht etc., die in den Zwillingen Geborenen als kommunikativ, suchend, unstet, unterhaltsam, und so weiter. Tierkreiszeichen und Mondkalender Die Tierkreiszeichen spielen auch eine Rolle in den Ende des 20. Jahrhunderts wieder in Mode gekommenen Mondkalendern, die auf Frühformen aus dem Mittelalter zurückgehen. Ihre Aussagekraft entspricht wohl denen des Horoskops und ist durchaus umstritten. |
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